Touristen kommen auch bei schlechtem Wetter
Hannover (dapd-nrd). Der regnerische und kühle Sommer hat bislang offenbar kaum gravierende Auswirkungen auf Tourismusbranche, Gastronomie sowie Einzelhandel in Norddeutschland. Während die Übernachtungsmöglichkeiten gut gebucht waren, verzeichneten Gaststätten und Geschäfte lediglich geringe Einbußen, wie eine dapd-Branchenumfrage ergab. Wetterbedingt spürbar abgenommen habe in den vergangenen Wochen aber die Zahl der spontanen Tagesausflügler, hieß es. Die Branche hofft jetzt auf eine vom Wetter her bessere zweite Sommerhälfte.
Die Urlauber seien sich durchaus darüber im klaren, dass das Wetter im Norden Deutschlands nicht immer nur sonnig und warm sei, sagte Hans Ulrich Elter von der Marketinggesellschaft “Die Nordsee” in Schortens. Die Unterkünfte an den Küsten und den Inseln seien gut gebucht.
Carolin Ruth vom Verband TourismusMarketing Niedersachsen (TMN) verwies auf die vielen wetterunabhängigen Freizeitmöglichkeiten. So nutzten vor allem Familien mit Kindern bei schlechtem Wetter vermehrt überdachte Spielplätze und Spaßbäder. Gefragt seien auch Wellnessangebote.
In Schleswig-Holstein seien die Tourismusorte an Nord- und Ostsee ähnlich gut ausgelastet wie im vergangenen Jahr, sagte eine Sprecherin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. Trotz teilweise ungünstigen Wetters verzeichneten einige Urlaubsorte sogar ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr.
Auch auf den niedersächsischen Campingplätzen sieht es besser aus als erwartet, wie Anton Harms vom Verband der Campingplatz-Unternehmer Niedersachsen sagte. Fehlen würden lediglich die Spontancamper. Auch Miriam Fuchs vom Harzer Tourismusverband kann keinen gravierenden Rückgang der Besucherzahlen erkennen. “Hier haben die Besucher von Natur aus eine andere Erwartungshaltung”, sagte sie.
Spürbar zurückgegangen ist in den vergangenen Wochen im Norden allerdings die Zahl der spontanen Tagesausflügler, wie Sprecher mehrerer Verbände berichteten. Besonders der Außengastronomie wie etwa Biergärten fehle daher die Laufkundschaft, sagte Renate Mitulla vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Niedersachsen (DEHOGA). Sie schätzt die Einbußen der Branche auf etwa fünf bis zehn Prozent und glaubt nicht, dass dies – selbst bei gutem Wetter – in dieser Saison wieder ausgeglichen werden kann. Gregor Maihöfer vom DEHOGA in Hamburg schätzt die Einbrüche im Gastronomiebetrieb der Stadt sogar auf zehn bis dreißig Prozent.
Weil bei ausbleibendem Sonnenschein die Nachfrage nach Bikini oder Badehose begrenzt ist, befürchtet der Einzelhandel, auf der Sommermode sitzenzubleiben. In Hamburg reduzierten die Geschäfte deshalb schon seit Ferienstart “auf Teufel komm raus” ihre Waren, sagte Wolfgang Linnekogel vom Fachverband des Hamburger Einzelhandels. Er hoffe auf besseres Wetter und auf kauffreudige Touristen.
“Wenn das Wetter anhaltend schlecht ist, dann vergeht die Kauflust”, sagte der Präsident des Einzelhandelsverbandes Nord, Hans Frick. Der seit Montag laufende inoffizielle Ausverkauf habe dem Einzelhandel in Schleswig-Holstein auch dank Wetterbesserung aber einen Schub gegeben. Dadurch seien die in den ersten Juli-Wochen niedrigeren Zahlen ausgeglichen worden. Im ersten Halbjahr habe das Geschäft etwa 2,5 bis 3,0 Prozent über dem bereits guten Vorjahresergebnis gelegen.
Veröffentlicht in: Wirtschaft | Schlagworte: Tourismus
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