Kritik an CDU-Abgeordnetem Heveling nimmt zu
Krefeld/Berlin (dapd-nrw). Empörung für einen Internet-Skeptiker aus Krefeld: Weil er das Ende des sogenannten Web 2.0 heraufbeschwor, erntet der CDU-Abgeordnete Ansgar Heveling Hohn und Spott. Nach erzürnten Netznutzern meldeten sich am Dienstag erste Politiker zu Wort. Kritik kam nicht zuletzt auch aus den eigenen Reihen. Heveling versuchte, zu relativieren.
“Heveling zeigt, dass große Teile der Regierung in völligem Unverständnis der heutigen Gesellschaft leben”, sagte etwa der Vorsitzende der Piratenpartei Deutschland, Sebastian Nerz. Er rate Heveling, “sich einmal mit den technologischen Entwicklungen seit 1960 zu beschäftigen”. Dabei solle Heveling “aus pädagogischen Gründen” am Besten mit dem Farbfernsehen beginnen.
Heveling hatte zuvor in einem Gastbeitrag für das “Handelsblatt” den Kulturkampf zwischen der digitalen Welt und dem “realen Leben” beschworen. Das sogenannte Mitmach-Netz, zu dem soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter zählen, stehe kurz vor dem Ende. Es stelle sich nur noch die Frage, wie viel “digitales Blut” vergossen werde.
Im Netz hagelte es daraufhin Häme. “Der kleine Ansgar möchte aus dem Internet abgeholt werden”, schrieb ein Nutzer bei Twitter. Andere verfremdeten Filmtitel. Ein Vorschlag: “Vom Netze verweht.”
Am Montagabend verschafften sich zudem Unbekannte Zugriff auf die Internetseite des Abgeordneten, die kurzzeitig nicht erreichbar war. Die Hacker hatten offenbar das Passwort erraten, Gerüchten zufolge handelte es sich dabei nur um den Vor- und Nachnamen des Politikers. Kurzzeitig war auf Hevelings Seite gar eine Rücktrittsankündigung zu lesen. Am Dienstag sah sie jedoch schon wieder aus wie immer.
Der Sturm der Empörung überraschte den 39-Jährigen. “Mit diesem Widerhall habe ich nicht gerechnet”, sagte Heveling der “Rheinischen Post”. Heveling gab an, sein Gastkommentar sei ein “prononcierter, feuilletonistisch-überzeichneter Beitrag”. Heveling betonte, das Internet selbst zu Nutzen und versprach ihm eine “große Zukunft”. Er sehe aber zugleich “einige Dinge im Web 2.0 sehr kritisch”.
Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Altmaier, sprang seinem in die Kritik geratenen Abgeordneten bei. Auf Twitter rief er die aufgebrachte Netzgemeinde zur Gelassenheit auf. “(Fast) jede Debatte übers Netz ist besser als keine!”, notierte Altmaier in einer eigenen Kurznachricht.
Widerspruch kam hingegen auch aus den eigenen Reihen. Die Nürnberger CSU-Abgeordnete Dagmar Wöhrl mahnte auf ihrer Internetseite, grade Politiker seien gefordert, Brücken zur digitalen Welt zu bauen. Sie wünsche sich, dass “internetkritische Politiker und Zeitgenossen sich mit unvoreingenommener Neugier diesem Themenkomplex annehmen und einmal versuchen, politische Fragen auch aus der Perspektive der Netzgemeinde zu betrachten”, schrieb Wöhrl. Die heftige Reaktion der Netznutzer trage indes “nicht zum gegenseitigen Verständnis” bei.
Für weiteren Unmut in der Netzgemeinde sorgte unterdessen, dass Heveling ausgerechnet Mitglied der laufenden Enquetekommission “Internet und digitale Gesellschaft” des Bundestages ist. Erst Mitte Januar diskutierte eine Arbeitsgruppe, wie Bürger durch das Netz stärker in demokratische Prozesse einbezogen werden können.
(Mitteilung der Piraten: http://url.dapd.de/MkG4SO Altmaier auf Twitter: http://url.dapd.de/faBjzh Heveling in “Rheinische Post”: http://url.dapd.de/WBxfU3 Dagmar Wöhrl: http://url.dapd.de/AkoXSU )
Veröffentlicht in: Politik | Schlagworte: Bundestag, Piratenpartei


