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Fußball-Märchen am Brandenburger Tor

vom 10.06.2012 um: 05:34 Uhr | Quelle: dapd

Berlin (dapd). Nach dem 1:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal spricht alles für eine Neuauflage des Sommer-Fußballmärchens. Vor dem Brandenburger Tor liegen sich am späten Samstagabend die Menschen in den Armen, johlen, tanzen und singen “Oh, wie ist das schön”. Fontänen pusten Konfetti in den Nachthimmel über Berlin. Mehrere Hunderttausend Fans haben nach Veranstalterangaben vor den sieben Großleinwänden beim ersten Spiel des deutschen Teams bei der Fußball-Europameisterschaft mitgefiebert. Bis weit in die zweite Halbzeit müssen sie zittern – erst in der 72. Minute fällt das Tor.

“Tausche Schwester gegen EM-Ticket” steht auf dem Trikot des sechsjährigen Ismail. Mit seiner Mutter steht der Kleine vor der riesigen Leinwand, auf der die deutschen und portugiesischen Spieler dem Ball nachhetzen. Der Spruch sei ernst gemeint, sagt er mit bestimmter Stimme. Neben ihm schwenken zumeist junge Fußballanhänger die deutsche Fahne. “Auf geht’s, Deutschland schieß ein Tor”, singen sie im Chor. Je nach Spielszene geht ein “Aaaaah”, “Ohhhhh”, “Jaaaaa” durch die Menge. Vor dem Brandenburger Tor herrscht bei fast wolkenlosem Himmel und angenehmen 21 Grad Volksfeststimmung.

Die meisten rechneten bereits zu Spielbeginn mit einem Sieg der deutschen Elf von Bundestrainer Joachim Löw. “Portugal hat einen Star, wir haben gleich elf davon”, stellt Dirk Embert fest. Der 37 Jahre alte Berliner hat sich mit Fahne und Deutschland-Trikot unter die Menge gemischt. Auch Julia Buchner blickt den Nationalspielern auf dem Bildschirm hinterher. Vier Stunden Autofahrt stecken der 25-Jährigen in den Knochen. Nur wegen der Berliner Fanmeile sei sie von Bayreuth in die Hauptstadt gefahren. “Die Stimmung ist hier schon deutlich größer als in, öööh, Bayern”, meint sie und lacht.

Bruno Porcu macht derweil Pause und zieht an seiner Zigarette. Die Aufgabe des 66-Jährigen ist es an diesem Abend, auf dem Boden liegende Flaschen einzusammeln. “Damit sich keiner verletzt”, schiebt er nach. Zu arbeiten während andere feiern, das mache ihn nichts aus, beteuert er. “Es gibt wichtigere Sachen als Fußball – zum Beispiel Geld verdienen.” Bei der EM wolle er seine Rente aufbessern. Bis zum Finale am 1. Juli, immer wenn die Fanmeile geöffnet hat, wird Bruno Porcu Flaschen auflesen. “Säckeweise sind es heute.”

Nach Angaben der Veranstalter strömen im Verlauf des Samstags mehr als 450.000 Menschen über die Fanmeile. Es habe kaum Einsätze von Polizei und Sanitätern gegeben, heißt es nach der vorläufigen Bilanz am späten Abend. Noch während die Begegnung läuft, gehen immer wieder Fans an den Absperrungen vorbei auf der Suche nach den Eingängen zur Fanmeile. Nahe des Bundestags verkündet die Polizei zu vorgerückter Stunde über Lautsprecher: “Dieser Zugang muss wegen Überlastung leider geschlossen bleiben.” Der letzte noch geöffnete Eingang sei 500 Meter entfernt. In dem Polizeiwagen steht ein Laptop, auf den die Beamten das Spiel verfolgen.

Die Stimmung bei Masha Voigt ist gedämpft. Die 19-jährige Berlinerin hat portugiesische Wurzeln. Anhänger, die der Mannschaft aus Portugal die Daumen drücken, findet man in der Menschenmenge nur schwer. “Deutschland hat oft genug gegen Portugal gewonnen – heute muss es doch mal klappen”, sagt sie während das Spiel noch läuft. “Und wenn es nicht klappt: Dann eben beim nächsten Mal.”

Veröffentlicht in: Polizeimeldungen, Stadtgeschehen | Schlagworte:

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