Warhol, Basquiat und Clemente auf einer Leinwand
Bonn (dapd-nrw). Dieses Kunstprojekt sucht seinesgleichen: Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat und Francesco Clemente teilten sich in den 80er Jahren dieselben Leinwände. Jeder brachte seinen eigenen Kunststil auf Papier und übergab an den nächsten. Herausgekommen sind außergewöhnliche Arbeiten, die ab Freitag (10. Februar) in der Ausstellung “Ménage à trois” in der Bonner Bundeskunsthalle gezeigt werden.
Rund 175 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen porträtieren die drei Vorreiter der damaligen New Yorker Kunstszene. Für lustige Fotografien setzten sie sich selbst in Pose. Spaßmacher Basquiat – mit seiner unverwechselbaren Rasta-Mähne – wäscht sich unter dem Wasserhahn die Füße, Clemente macht ein Nickerchen auf dem Sofa und Warhol streift für ein Duell mit Basquiat die Boxhandschuhe über.
Sie waren hip, offen und brachten frischen Wind in die Kunstwelt. Nicht bei jedem kam das gut an. Gerade Warhol als Vertreter der Pop-Art stand mit seinem neuartigen Werk in der Kritik der konservativen Künstler. Clemente und Basquiat hätten dies erkannt und seien auf Warhol zugegangen, sagt der Intendant der Bundeskunsthalle, Robert Fleck.
So fing die Kollaboration an: Jeder der drei begann mit vier Gemälden und einer Zeichnung. Dann gingen die Bilder reihum und jeder reagierte auf das bereits Gezeichnete, Gedruckte und Gemalte. Warhol hinterließ häufig Siebdrucke, Basquiat benutzte für seine wütenden Formen Ölkreide und Clemente malte seine Visionen darüber. Gesichter, Buchstaben und Druckelemente prägen die modernen Bilder.
Das Projekt war ein Wagnis. Denn alle drei Künstler hatten längst ihren eigenen Stil, ihre eigenen Themen und Interessen. Warhol war bereits 55 Jahre alt. Dagegen stand Basquiat mit seinen 23 Jahren noch am Anfang der Karriere. Die Kollaborationen hinterließen ihre Spuren. Von seinen Kollegen motiviert, fängt Warhol nach 20 Jahren wieder an, mit der Hand zu malen, und Basquiat übernimmt die Siebdrucktechnik.
Neben acht gemeinsam geschaffenen Werken sind in der Ausstellung auch mehrere Zusammenarbeiten von Basquiat und Clemente sowie Basquiat und Warhol zu sehen. Den Großteil machen aber die Einzelwerke der Künstler aus. Da hängen Warhols typische Porträts von Mao, Jackie Kennedy und Johann Wolfgang von Goethe sowie eine rot gehaltene Freiheitsstatue.
Der afroamerikanische Graffitikünstler Basquiat mischt in seinen Collagen alles wild durcheinander: dunkle Gestalten, Kritzeleien, Masken und große Farbflächen. Der in Italien geborene Clemente, der als einziger der drei Künstler noch lebt und am Donnerstag selbst die Ausstellung besuchte, erneuerte die italienische Tradition der Antike. Auf den Kollaborationen findet sich dann alles wieder.
(http://www.bundeskunsthalle.de)
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