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Über 350 Personen weisen kritische PCB-Werte auf

vom 04.05.2011 um: 16:45 Uhr | Quelle: dapd
Wirtschaft Dortmund Über 350 Personen weisen kritische PCB-Werte auf

Dortmund (dapd-nrw). Im PCB-Skandal bei der Dortmunder Entsorgungsfirma Envio sind bei medizinischen Untersuchungen bei 356 Menschen kritische Werte festgestellt worden. 89 Betroffene lehnten aber eine Teilnahme an dem angebotenen Betreuungsprogramm aus unterschiedlichen, zumeist persönlichen Gründen ab, sagte am Mittwoch in Dortmund der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Erwin Pfänder, der seit 100 Tagen als Ombudsmann tätig ist. Hier sei die Politik gefordert. Insgesamt waren 1.328 Menschen untersucht worden.

Da er aufgrund des Datenschutzes selbst keinen Kontakt zu diesen 89 Menschen herstellen könne, habe er in dieser Woche Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD), Umweltminister Johannes Remmel (Grüne), den Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Regierungspräsident Gerd Bollermann (beide SPD) angeschrieben und sie darauf hingewiesen, dass hier die öffentliche Hand tätig werden müsse. Er hoffe auf eine schnelle Reaktion der Behörden, betonte Pfänder.

Nach Angaben von Pfänder gingen die Anfragen von Betroffenen an ihn in den vergangenen Wochen deutlich zurück. Deshalb werde er seine regelmäßige Sprechstunde einstellen. Künftig will der Ombudsmann individuelle Gesprächstermine per Telefon oder via E-Mail vereinbaren und die Betroffenen gegebenenfalls zu Hause besuchen.

Das Dortmunder Unternehmen Envio, das PCB-haltige Transformatoren und Kondensatoren entsorgt hatte, steht im Verdacht, verseuchtes Material als gereinigt deklariert und verbreitet zu haben. Dabei kam es zu einer gesundheitsschädigenden Belastung und erhöhten PCB-Werten bei Beschäftigten. PCB (Polychlorierte Biphenyle) besitzen ähnliche Eigenschaften wie Dioxine. Sie sind giftig und gelten als krebserregend.

Der Betrieb im Dortmunder Hafen wurde Ende Mai 2010 auf Anordnung der Bezirksregierung Arnsberg stillgelegt. Das Unternehmen meldete für Teile seines Geschäftsbetriebs Insolvenz an. Nach Bekanntwerden des Skandals berief die Bezirksregierung Pfänder als Ombudsmann.

Als Konsequenz aus dem PCB-Skandal will die NRW-Landesregierung die Arbeitsschutz- und Umweltverwaltung verbessern. Dazu soll im Bereich der Überwachung schnellstmöglich eine Personalaufstockung erfolgen. Demnach sollen im Arbeitsschutz 60 zuletzt unbesetzte Stellen wieder besetzt werden. Im Umweltbereich sollen rund 300 zusätzliche Stellen schnellstmöglich geschaffen werden.

Veröffentlicht in: Wirtschaft | Schlagworte:

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