Lenas Schule nimmt Abschied von getöteter Elfjähriger
Emden (dapd). Der Mordfall Lena hält Niedersachsen auch fast drei Wochen nach der Tat in Atem: In Emden nahmen am Donnerstag etwa 140 Schüler sowie Lehrkräfte und Eltern der Emsschule Abschied von der getöteten Elfjährigen. Wegen Ermittlungspannen im Zusammenhang mit dem Mord sind in Osnabrück weitere Disziplinarverfahren gegen Polizisten eingeleitet worden. Mit dem Thema beschäftigte sich in Hannover auch der Innenausschuss des Landtags.
Gemeinsam sangen die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung an Lenas Grundschule den Gospel “He’s Got The Whole World In His Hands”. “Das Geschehene wurde aufgearbeitet, Perspektiven wurden aufgezeigt und es wurde gemeinsam gesungen”, sagte der Fachbereichsleiter Jugend und Schule der Stadt Emden, Thomas Sprengelmeyer, nach der von der Öffentlichkeit abgeschirmten Zeremonie.
Nachdem die Schüler sich am ersten Schultag nach den Osterferien zunächst in ihren Klassen getroffen und mit dem Mordfall auseinandergesetzt hatten, versammelten sich alle Beteiligten zu der 20-minütigen Veranstaltung für die Viertklässlerin in der Turnhalle der Grundschule. Mehrere Schulpsychologen der Landesschulbehörde nahmen ebenfalls daran teil.
“Es war der Wunsch der Kinder, Lena zu gedenken”, sagte der reformierte Pastor Manfred Meyer. Er hatte die Elfjährige beerdigt und steht weiterhin in engem Kontakt zu Lenas Familie. “Es war eine sehr ruhige Veranstaltung. Die Kinder sind erleichtert rausgegangen und werden ihren Schulalltag wieder aufnehmen können”, ergänzte Sprengelmeyer.
Die Aufarbeitung der Ermittlungspannen nimmt unterdessen ein immer größeres Ausmaß an. Es werde gegen vier weitere Beamte der Polizeiinspektion Leer/Emden disziplinarisch ermittelt, teilte die Osnabrücker Polizeipräsidentin Heike Fischer am Donnerstag mit. Insgesamt gibt es nun Verfahren gegen acht Polizisten. In der vergangenen Woche waren bereits Verfahren gegen vier Beamte in Aurich eingeleitet worden, gegen zwei von ihnen wird auch strafrechtlich ermittelt.
Hintergrund der Verfahren sind ein nicht umgesetzter Durchsuchungsbeschluss vom Dezember 2011 gegen den tatverdächtigen 18-Jährigen sowie eine Selbstanzeige des jungen Mannes wegen seiner pädophilen Neigungen vom November 2011, die ebenfalls nicht weiterverfolgt wurde.
Mit den Konsequenzen aus den Ermittlungspannen hat sich am Donnerstag der Innenausschuss des niedersächsischen Landtags beschäftigt. Linke und Grüne werteten die Pannen in der Polizeiarbeit auch als strukturelles Problem. Nach Angaben des Vorsitzenden der Linksfraktion, Hans-Henning Adler, wurde bei der Befragung von Innenminister Uwe Schünemann (CDU) im Ausschuss deutlich, dass die Polizei zu wenig Personal hat.
CDU, FDP und SPD sahen hingegen bislang keine Belege dafür. Es gehe nun darum, die “persönlichen Versäumnisse Einzelner” aufzuklären, sagte der FDP-Innenexperte Jan-Christoph Oetjen. Auch der Aufruf zur Lynchjustiz im Internet müsse konsequent verfolgt werden, forderte er.
Nach Lenas Tötung war ein damals 17-Jähriger zu Unrecht beschuldigt worden. Gegen ihn hatte es Lynchaufrufe im Internet und vor dem Emder Polizeirevier gegeben. Trotzdem will der junge Mann, der Emden zwischenzeitlich verlassen hatte und vom Jugendamt der Stadt betreut wird, offenbar an die Berufsbildenden Schulen II (BBS) der ostfriesischen Stadt zurückkehren. “Es ist sein eigener Wunsch. Wir begrüßen das sehr”, sagte Björn Holzgrabe von der BBS-Schulleitung in Emden. Gemeinsam mit der Landesschulbehörde werde ein Verfahren abgestimmt, um ihn wieder in den Alltag zu integrieren.
In diesem Zusammenhang rufen Stadtverwaltung, Kirchen, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) und Stadtsportbund in Emden zur Teilnahme an einer Solidaritätsveranstaltung mit allen Opfern und Betroffenen der Tragödie am Freitag (13. April, 18.00 Uhr) auf. Mehrere Tausend Menschen werden auf dem Rathausplatz erwartet, um ein Zeichen gegen Selbstjustiz und Vorverurteilungen zu setzen.
Die elfjährige Lena war am 24. März in einem Emder Parkhaus tot aufgefunden worden. Sie wurde nach Angaben der Polizei Opfer einer Sexualstraftat. Gegen einen 18-jährigen Tatverdächtigen wurde am 1. April Haftbefehl erlassen. Er hat die Tötung gestanden.
Veröffentlicht in: Stadtgeschehen | Schlagworte: Kindesmissbrauch, Lena, Mord
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