Nordosten hat die zweithöchste Kinderarmut unter den Flächenländern
Gütersloh (dapd-lmv). Fast ein Drittel der Kleinkinder im Nordosten lebt einer Studie zufolge in armen Familien. Im Jahr 2010 waren 12.338 oder 31 Prozent der unter Dreijährigen von Armut betroffen, wie die am Mittwoch in Gütersloh veröffentlichte Untersuchung der Bertelsmann Stiftung ergab. Mecklenburg-Vorpommern sei damit das Flächenland mit der zweithöchsten Armutsquote bei Kindern unter drei Jahren.
Nur Sachsen-Anhalt sowie die Stadtstaaten Berlin und Bremen hatten den Angaben zufolge noch höhere Armutsraten. Die Hauptstadt habe mit 36 Prozent den höchsten Anteil an armen Kleinkindern gehabt. In Bayern lebten mit zehn Prozent die wenigsten unter Dreijährigen in Familien von Hartz-IV-Empfängern oder mit geringem Einkommen. Der Bundesdurchschnitt habe bei knapp 20 Prozent gelegen.
Die Kinderarmutsrate habe Mecklenburg-Vorpommern auch über dem Durchschnitt der neuen Bundesländer gelegen, teilte die Stiftung weiter mit. So seien im Osten 28 Prozent der Kinder in armen Familien aufgewachsen.
Zwar ist die Kinderarmut der Stiftung zufolge rückläufig. Es gebe jedoch große regionale Unterschiede. Im Altlandkreis Bad Doberan habe die Kinderarmut 2009 beispielsweise bei 21,5 Prozent gelegen. Im ehemaligen Landkreis Uecker-Randow sei sie mit knapp 43 Prozent doppelt so hoch gewesen.
Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, forderte daher, staatliche Hilfen müssten anders verteilt werden: “Wo die Probleme größer sind, muss auch mehr Geld für gute Kitas und gezielte Förderung in Brennpunkten investiert werden”, sagte er.
Die Ergebnisse der Studie basierten auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und der statistischen Landesämter, sagte eine Sprecherin der Bertelsmann Stiftung. Die Experten hätten unter anderem die Anzahl der Kinder unter drei Jahren, die in Familien von Empfängern sozial staatlicher Grundsicherung lebten, untersucht. Diese Daten seien mit der Zahl aller unter Dreijährigen in Deutschlands Kreisen und kreisfreien Städten verglichen worden.
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