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Am Bierbike scheiden sich die Geister

vom 18.10.2011 um: 12:28 Uhr | Quelle: dapd
Stadtgeschehen Hannover Am Bierbike scheiden sich die Geister

Gemächlich rollt das Bierbike über eine Kreuzung in Hannovers Innenstadt. 16 Personen treten in die Pedalen, um das einer fahrbaren Theke ähnelnde vierrädrige Gefährt in Bewegung zu halten. Hier ein Lachen, da ein Juchzen, aus den Boxen kommt deutsche Partymusik. Was viele jedoch mit dem Bierbike-Image verbinden, fehlt: Gegröle, Geschrei, Volltrunkene, die sich in der Öffentlichkeit zum Affen machen.

Vielleicht liegt es an der Uhrzeit. Es ist gerade 16.00 Uhr. Möglicherweise ist es auch die Gruppe selbst, die die zweistündige Tour rund um den Maschsee gebucht hat. Denn statt Teilnehmer eines Junggesellenabschieds sitzen Kollegen eines Telekommunikationsanbieters auf dem Bike. Womöglich ist es aber auch nur der Tatsache geschuldet, dass auf dieser Tour kein Tropfen Alkohol getrunken wurde. “Wir müssen schließlich alle wieder nach Hause fahren”, sagt Teamleiterin Cornelia Müller.

Bierbike-Ausflüge ohne alkoholische Getränke sind gar nicht so unüblich, wie Stephen C. Edworthy sagt, der seit 2009 die Räder in Hannover vermietet. “Über den Daumen gepeilt haben wir etwa 30 Prozent alkoholfreie Fahrten”, sagt der Engländer mit grauem Pferdeschwanz und Bart. Den Anwesenden macht es ganz offensichtlich trotzdem Spaß. “Ich bin Mitglied einer Theatergruppe”, sagt einer der Ausflügler, auf dessen T-Shirt sich die Anstrengung der Fahrt dunkel abzeichnet. Mit den Gruppenmitgliedern werde er das wohl auch mal machen.

Gleichwohl sind die Bierbikes, die durch zahlreiche deutsche Städte rollen, umstritten. Viele finden sie peinlich oder störend. Einige Städte haben das Fahren auf den Spaß-Rädern sogar untersagt. So verbannte München die Bierbikes wegen mangelnder Verkehrssicherheit von den Straßen. In Düsseldorf befinden sich die Betreiber der Räder im Rechtsstreit mit der Stadt.

Auch im Norden Deutschlands ist nicht jeder begeistert von den feuchtfröhlichen Touren. Man betrachte die Bierbikes mit einer “großen Portion Skepsis”, sagt etwa Kiels Stadtsprecher Tim Holborn. Schärfer klingen die Worte des verkehrspolitischen Sprechers der CDU-Fraktion in Hamburg. “Die Bierbikes sind gefährlich, über die Maßen störend und unhanseatisch”, sagt er.

Ein Thema werden die Bierbikes auch auf dem 50. Verkehrsgerichtstag im Januar in Goslar sein. Fachleute aus ganz Deutschland wollen dann über die rechtliche Einordnung der Spaß-Fahrzeuge sowie über Zulassungs- und Versicherungsfragen sprechen.

Edworthy sieht die Diskussion gelassen. “Es wird immer jemanden geben, der es nicht gut findet und kritisiert”, sagt er. Im Endeffekt komme es aber vor allem auf das Image an. “Wenn das einmal ruiniert ist, ist es schwer wieder gutzumachen.” Daher versuchen Edworthy und seine Angestellten erst gar keine Probleme entstehen zu lassen.

So gibt es den “Bierbike-Kodex”, an den sich alle Bierbiker halten müssen. Während der Fahrt wird sitzen geblieben, nicht wild gepinkelt und auch nicht gegrölt und gepöbelt. Außerdem werde der Bierkonsum für die Bike-Besatzung auf zehn Liter pro Stunde begrenzt, sagt Edworthy. Der Fahrer, für den ein striktes Alkoholverbot gilt, könne aber entscheiden, ob er schon eher ein neues Fass “freigibt”.

Zweimal habe man bereits eine Fahrt abgebrochen, sagt Edworthy. Die Fahrer hätten schon vor Beginn der Tour zu tief ins Glas geschaut. “Da sind wir rigoros.”

In Hannover sei von einer Gefährdung oder von Belästigungen bislang nichts bekannt, sagt ein Sprecher der Stadt. Daher gebe es auch keine Verbotsbestrebungen. Auch in Braunschweig seien keine Probleme mit den Rädern bekannt, sagt eine Sprecherin.

Die Touren würden auch längst nicht nur von Junggesellenabschieden gebucht, sagt Edworthy. “Es sind schon große Firmen, Richter, Polizisten und auch Politiker mitgefahren.” So schlecht könne das Image also nicht sein. Wer trotzdem hofft, in der kalten Jahreszeit würden die Bierbikes von den Straßen verschwinden, wird von Edworthy eines Besseren belehrt: “Ab November gibt es Glühweinfahrten.”

Veröffentlicht in: Stadtgeschehen | Schlagworte:

Bisher wurde ein Kommentar geschrieben
  1. 24. November 2011

    Die “Pedalhelden” in München bedauern das Urteil in Münster, sehen darin aber auch viele Chancen für die Veranstaltung “BierBike” in deutschen Städten. Wenn Betreiber und Stadtverwaltungen aufeinander zugehen, wie die Touren abgehalten werden, hat das rein pedalbetriebene BierBike in deutschen Städten durchaus Zukunftschancen.
    Schließlich liegt die motorlose Personenbeförderung im Trend der co2-freien Mobilität in deutschen Städten. Warum sollten stinkende Sightseeingbusse, langsame Pferde-Kutschen und sogar lärmende Party-Busse fahren dürfen, die BierBikes aber nicht? Stretch-Limousinen sind out, Pedalos in!

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