Rot-Grün schließt Trennung von Ring-Betreibern nicht aus
Mainz (dapd-rps). Am Nürburgring könnte es noch in diesem Jahr eine Trennung von den privaten Betreibern und eine Neuausschreibung des Betriebs geben. Die derzeitigen Pächter der Rennstrecke mit Vergnügungspark, Kai Richter und Jörg Lindner, hätten die vereinbarte Pacht zu erbringen, “dieser Lackmustest muss jetzt erfolgen”, sagte SPD-Fraktionschef Hendrik Hering am Donnerstag im Mainzer Landtag. “Sind sie dazu nicht in der Lage muss neu ausgeschrieben werden”, betonte er.
Hering, der als damaliger Wirtschaftsminister den Vertrag selbst ausgehandelt hatte, bestätigte damit, dass es in der rot-grünen Regierung Überlegungen für einen weiteren Neuanfang am Ring gibt. Deutliche Kritik übten alle Parteien zudem am Umgang der Pächter mit ihren Mitarbeitern. Die Nürburgring Automotive GmbH (NAG) hatte die Streichung von 92 Stellen wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten und Streitigkeiten über die Höhe der Pachtzahlungen an das Land angekündigt. Entlassen werden müssten 55 Beschäftigte.
Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) hatte zuvor eingeräumt, dass für die Jahre 2012 und 2013 im Doppelhaushalt insgesamt 19,4 Millionen Euro für die Rennstrecke vorgesehen seien. Davon seien acht Millionen Euro in diesem Jahr für ein Gesellschafterdarlehen gedacht und für 2013 ein weiteres Darlehen in Höhe von fünf Millionen Euro. In den beiden Jahren sollten zusätzlich 3,2 Millionen Euro pro Jahr als Zuschuss zur Tourismusförderung an die weitgehend landeseigene Nürburgring GmbH fließen. Sie verpachtet die Immobilien an die privaten Ring-Betreiber.
Der Minister bestätigte zudem erneut, dass im vergangenen Jahr mehr als 65 Millionen Euro als Gesellschafterdarlehen oder Zuschüsse an den Nürburgring flossen. Der Ring sei weiter “in einer Einschwungphase”, betonte Lewentz. Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young hätten für die Jahre 2010 bis 2015 eine Unterdeckung der Landestochter Nürburgring GmbH in Höhe von rund 35 Millionen Euro errechnet, diese Zahlen seien aber bekannt.
CDU-Fraktionsvize Alexander Licht kritisierte hingegen “die anhaltende Intransparenz”. Eine halbe Milliarde Euro an Investitionen habe das Projekt Nürburgring bereits verschlungen, dieses “Desaster” habe die Landesregierung selbst verschuldet. “Wo ist ihr Offenbarungseid, wo ihr Eingeständnis, mit diesem Projekt gescheitert zu sein?”, hielt er der SPD vor. “Ziehen Sie endlich einen Schnitt”, forderte Licht. “Wenn Sie so weiter machen,” werde es Insolvenzen geben und Arbeitsplätze verloren gehen, warnte er.
Auch die Grünen stellten fest, dass beim Projekt Nürburgring 2009 unternehmerische Fehler gemacht worden seien. “Wenn die Betreiber nicht willens oder in der Lage sind, die Bedingungen zu erfüllen, müssen wir uns über eine Neuausschreibung Gedanken machen”, sagte der parlamentarische Geschäftsführer Nils Wiechmann. Ein neues Konzept müsse auf dauerhafte Tragfähigkeit und Rentabilität geprüft werden. “Wir brauchen ein Konzept, das dauerhafte weitere staatliche Subventionen ausschließt”, forderte der Grünen-Politiker.
Auch der Rechtsexperte der SPD, Clemens Hoch, übte deutliche Kritik an “dem Zickzackkurs und der Hängepartie” durch die Pächter: “Das ist Vertragsbruch, was da im Raum steht.” Das habe man “von jemandem, der aus einer renommierten Unternehmerfamilie kommt” nicht erwartet, sagte er mit Blick auf den aus der Hotelfamilie Lindner stammenden Jörg Lindner. Es sei “eine Katastrophe”, wie die Nürburgring Automotive GmbH mit ihren Arbeitnehmern umgehe und sich gegenüber dem Land verhalte.
Veröffentlicht in: Politik, Sport | Schlagworte: Nürburgring



Ich lese immer “Neuausschreibung”!
Diesem KommentarWann ist denn schon mal ausgeschrieben worden?
Guten Tag Herr Limburg,
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