zurück

Rampenlicht wider Willen

vom 30.07.2012 um: 20:49 Uhr | Quelle: dapd

Salzhemmendorf (dapd-nrd). Besonders wohl fühlt sich Ina König nicht, als Dutzende Kameras auf sie gerichtet werden. Mit einem nervösen Lächeln mustert sie den Auflauf von Journalisten, der sehnsüchtig auf ihre erste öffentliche Erklärung wartet. Auf die ersten Worte der “Heldin vom Osterwald”, wie sie von ihnen getauft wurde.

Die Frau, die einem kleinen Jungen vor genau drei Wochen das Leben rettete, in dem sie ihm ohne Zögern in einen mehr als 20 Meter tiefen Erdschacht hinterhersprang, möchte allerdings nur eines: In aller Ruhe wieder ihrer Arbeit nachgehen, in ihrem Kindergarten im beschaulichen Salzhemmendorf im Weserbergland.

Doch der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU) will es sich nicht nehmen lassen, die Erzieherin für ihren Einsatz öffentlich zu würdigen. Zu außergewöhnlich sei ihr Engagement für den mittlerweile vierjährigen Jungen gewesen, zu vorbildlich ihr Verhalten.

“Dies ist ein besonders bemerkenswertes Beispiel von Mut und Zivilcourage und beispielhaftem, selbstlosem Einsatz”, sagt der Regierungschef am Montagnachmittag bei seinem Kurzbesuch in dem kleinen Ort im Landkreis Hameln-Pyrmont. Anschließend überreicht er ihr die Niedersächsische Rettungsmedaille samt Urkunde und Blumenstrauß.

Es ist das Vorspiel zu Ina Königs großem Moment. Ein Moment, den sie sich nie gewünscht hat und den sie so kurz wie möglich halten will. Zielstrebig schreitet sie an das Rednerpult und holt tief Luft, um ihre Version der Geschichte zu erzählen – und um künftig nichts mehr mit der Presse zu tun haben zu müssen, wie sie selbst betont.

Was sie nach dem Sturz in das Loch empfunden habe, sei sie oft gefragt worden. Zunächst habe sie sich gefreut, dass sie den Jungen sofort im Wasser gefunden habe, sagt sie. Während sich die Feuerwehr auf den Weg gemacht habe, seien ihre Gedanken dann um ihre eigenen zwei Kinder und ihren Mann gekreist.

Das Lob für ihren Mut gibt die bodenständige Erzieherin an die Einsatzkräfte weiter, die sie und den Jungen nach rund einer Stunde aus dem eiskalten Grundwasser retten konnten. Ohne das Vertrauen in die örtliche Feuerwehr hätte sie nicht springen können, hebt sie hervor. Eine Schuld für den Unfall gibt sie niemandem.

Auch von offizieller Seite ist die Suche nach einem Schuldigen zu den Akten gelegt worden. Eine Untersuchung der Unfallstelle durch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie hatte ergeben, dass der Schacht mit den aufliegenden Baumstämmen – zumindest rechtlich – ausreichend gesichert wurde. Ein gewisses Restrisiko sei niemals auszuschließen, hieß es.

Die Stollen und Schächte besser abzudichten, wäre auch eine Mammutaufgabe. In ganz Niedersachsen sind insgesamt mehr als 4.500 bekannt, alleine 3.000 davon liegen im Harz. Zudem gibt es viele unbekannte Erdlöcher, die bereits im Mittelalter entstanden sind.

In das Loch im Osterwald wird hingegen niemand mehr stürzen können. Nach dem Unfall wurden die Holzstämme erneuert, eine Platte aufgelegt und ein Bauzaun aufgestellt.

Veröffentlicht in: Stadtgeschehen

Vielen Dank!

Ihre Beschwerde

Vielen Dank!


Kommentare werden geladen ...