IG Metall will Anteil vom Kuchen
Sindelfingen (dapd). In der Metall- und Elektroindustrie wird es langsam Ernst: Kurz vor der nächsten Tarifrunde werden erste Zahlen genannt. Die Große Tarifkommission der IG Metall in Baden-Württemberg sprach sich am Mittwoch in Sindelfingen als bundesweit erste für eine Lohnerhöhung bis zu 6,5 Prozent aus. Im März läuft die bisherige Tarifregelung der Branche deutschlandweit aus. Die Forderung hat Signalwirkung: In Baden-Württemberg arbeitet mit etwa 750.000 Beschäftigten mehr als ein Fünftel der gesamten Metall- und Elektroindustrie in Deutschland.
IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann sagte: “In den kommenden Wochen wird es vergoldete Bilanzen und reihenweise Rekordergebnisse zu melden geben.” Die Beschäftigten forderten lediglich “ihren fairen Anteil an dem, was durch ihre Arbeit erwirtschaftet wurde”.
Die höchste Forderung seit dem Jahr 2000 hatte der IG-Metall-Bezirk 2008/09 aufgestellt. Damals verlangte die Gewerkschaft eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um acht Prozent. In den Verhandlungen wurde dann eine Steigerung um insgesamt 4,2 Prozent erzielt.
Mit ihrer Empfehlung orientieren sich die Metaller auch an der nordwestdeutschen Eisen- und Stahlindustrie. “Die Erwartungshaltung ist geprägt durch den Stahlabschluss”, sagte Hofmann. Die Tarifpartner hatten sich auf eine Lohnsteigerung für die rund 750.000 Beschäftigten der Branche ab 1. Dezember 2011 um 3,8 Prozent geeinigt. Hier war die IG Metall mit einer Forderung von sieben Prozent in die Verhandlungen gestartet.
Gleichwertig sind für Hofmann allerdings auch die qualitativen Forderungen an die Arbeitgeber. Neben höheren Löhnen fordert die Gewerkschaft auch eine Übernahmegarantie für Auszubildende sowie mehr Mitsprache bei der Beschäftigung von Leiharbeitern. Hofmann machte deutlich, dass die IG Metall in keinem Bereich zu einem Verzicht bereit ist. “Wer meint, man könnte der IG Metall irgendetwas abkaufen, der täuscht sich”, sagte er. Es werde kein Tarifergebnis geben ohne eine Regelung in allen Punkten.
IG-Metall-Vorsitzender Berthold Huber hatte den Arbeitgebern in einem Zeitungsinterview bereits eine harte Gangart angekündigt. “Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Arbeitgeber gerade den Tabukatalog aus den 70er Jahren reanimieren”, sagte er der “Stuttgarter Zeitung”. “Wenn die Arbeitgeber bei dieser Position bleiben, wird es eben scheppern”, fügte er hinzu.
Nach der Empfehlung der Tarifkommission muss nun am 7. Februar der IG-Metall-Vorstand eine Empfehlung aussprechen. Am 24. Februar will sich die IG Metall bundesweit auf eine Forderung festlegen.
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser hatte allerdings schon Anfang der Woche versucht, die Erwartungshaltung zu dämpfen. “In der Krise und bei deren Bewältigung haben wir uns auf den Vorrang der Beschäftigungssicherung verständigt, und beide Seiten wissen – Kurzarbeit hin oder her -, dass dies die Betriebe viel Geld gekostet hat”, sagte er in einem Interview auf der Internetseite des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. 2012 werde kein Boom-Jahr. “Wenn wir unsere Kapazitäten einigermaßen ausgelastet halten können, freuen wir uns.”
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