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Villis sieht EnBW erst ab 2014 wieder auf Erfolgskurs

vom 26.04.2012 um: 15:22 Uhr | Quelle: dpa

Stuttgart (dapd-bwb). Der scheidende EnBW-Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Villis sieht den angeschlagenen baden-württembergischen Energieversorger erst ab 2014 wieder auf der Erfolgsspur. Die erheblichen Veränderungen des vergangenen Jahres durch die Energiewende lasse den Vorstand “verhalten in die Zukunft blicken”, sagte er am Donnerstag auf der Hauptversammlung. Er rechne für das laufende Jahr mit einem um 10 bis 15 Prozent reduzierten operativen Ergebnis. “Dieser Trend wird sich noch 2013 fortsetzen.”

Erst danach werde der Konzern wieder zu alter Stärke zurückfinden. Baden-Württembergs Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) zeigte sich zufrieden. “Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass wir auf der nächsten Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung beschließen, die Nachfolge von Herrn Villis geklärt und eine Unternehmensstrategie bis 2014 haben”, sagte das Aufsichtsratsmitglied.

Zwtl.: Villis gegen Kapazitätsmärkte

Die EnBW hatte im vergangenen Jahr einen Konzernfehlbetrag von 867 Millionen Euro eingefahren nach einem Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Dies ist laut Villis vor allem auf die Energiewende und der Kernbrennstoffsteuer zurückzuführen. Um das Unternehmen zu stabilisieren, setzt die EnBW unter anderem auf Deinvestitionen von rund 500 Millionen Euro und eine Hybridanleihe von insgesamt einer Milliarde Euro. Außerdem stehen Effizienzsteigerungen bis Ende 2014 von jährlich 750 Millionen Euro auf dem Programm.

Dies sei die Voraussetzung für das angestrebte Investitionsprogramm in Höhe von 4,1 Milliarden Euro bis 2014, sagte Villis. In diesem Zusammenhang sei auch die Entscheidung zur anstehenden Kapitalerhöhung von 800 Millionen Euro durch die Hauptanteilseigner, das Land Baden-Württemberg und der Zweckverband Oberschwäbischen Elektrizitätswerke, zu sehen. Die EnBW will die Erzeugung aus erneuerbaren Energiequellen bis zum Jahr 2020 deutschlandweit mehr als verdoppeln. Investiert werden soll dazu vor allem in Wasserkraft und in Windkraft.

Aus Sicht des Vorstandschefs werden aber zur Sicherung der Energieversorgung weiterhin konventionelle Großkraftwerke gebraucht. “Wir denken nicht in den Kategorien ‘klein gegen groß’ oder ‘dezentral gegen zentral’. Vielmehr muss es heißen: Sinnvoll, regenerativ, CO2-arm und wirtschaftlich”, sagte er.

In der Debatte zur Sicherung der Stromversorgung sprach sich Villis dagegen aus, den Neubau von Gaskraftwerken künftig zu fördern. Dies sei “ein massiver Markteingriff”. Er plädierte stattdessen dafür, bei Bedarf auf bereits bestehende Reserven zu setzen. Er sprach sich zudem für die Einrichtung eines Bundesenergieministeriums aus, um die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende zu fördern.

Finanzminister Schmid erwiderte, Villis stehe in der Debatte über die Versorgungssicherheit nicht im Widerspruch zur grün-roten Landesregierung. Derzeit würden mehrere Konzepte geprüft. Schmid verteidigte indes die Klage der grün-roten Landesregierung gegen den französischen Energieversorger EdF im Zusammenhang mit dem Rückkauf des EnBW-Anteils. Das Land hätte nach dem Verstreichen einer vertraglichen Frist nicht mehr gerichtlich klären lassen können, ob der Kaufpreis zu hoch gewesen sei. Die Bitte des Landes, die Frist zu verlängern, habe die EdF abgelehnt. Er widersprach zudem Behauptungen auf der Hauptversammlung, wonach die Landesregierung weder den Vorstand noch die OEW vorab informiert habe.

Villis, der Ende September auf eigenen Wunsch aus dem Unternehmen ausscheidet, zeigte sich indes “wehmütig”. “Es ist schade, dass ich mit einem Bilanzverlust das Unternehmen verlasse”, sagte er. Doch es seien alle Initiativen gestartet, um das Unternehmen umzugestalten. Auf ihn folgt der E.on-Manager Frank Mastiaux.

Veröffentlicht in: Wirtschaft

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