20.03.2026 - 13:41 - Göttingen
Göttingen (ots) -
GÖTTINGEN (vb/jk) - Der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes Kriminaldirektor Oliver Tschirner und seine Vertreterin Polizeioberrätin Vicky Berkhan (Foto) haben am Freitag (20.03.2026) die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 für den Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion (PI) Göttingen vorgestellt.
Die jährlich erscheinende Statistik befasst sich mit den erhobenen Fallzahlen zu angezeigten und bearbeiteten Straftaten.
In 2025 wurden 23.166 Straftaten registriert. Erfreulicherweise handelt es sich dabei um eine Fallzahlensenkung von 10 % zum Vorjahr (2024: 25.737). Dieser Trend ist landesweit feststellbar.
Dennoch ist hervorzuheben, dass die Aufklärungsquote von 59,03% in 2024 auf 58,35% gesunken ist. Dieser Wert liegt unter dem Landesdurchschnitt von 62,72%.
Polizeipräsidentin Tanja Wulff-Bruhn zum Straftaten-Rückgang:
"Im Jahr 2025 haben wir im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Göttingen rund 4000 Straftaten weniger registriert - das ist eine erfreuliche Entwicklung, die unter anderem natürlich auf die hervorragende Arbeit in den Dienststellen zurückzuführen ist. Einen besonderen Anteil an der rückläufigen Entwicklung hat die Reduzierung der Fahrraddiebstähle um fast ein Drittel - hier ist insbesondere die beharrliche Arbeit der Kolleginnen und Kollegen der Polizeiinspektion Göttingen herauszustellen. Aber auch eine veränderte Rechtslage, wie etwa die Einführung des Konsum-Cannabisgesetzes, haben sich auf die Statistik ausgewirkt. Hier fallen die sogenannten Konsumentendelikte, wie Besitz und Erwerb von geringen Mengen Cannabis, weg. Einerseits bedeutet das ein geringeres Straftatenaufkommen und eine Entkriminalisierung der Konsumentinnen und Konsumenten, andererseits aber auch den Wegfall von Handlungsspielräumen für die Ermittlerinnen und Ermittler, über die Konsumenten an die 'großen Fische' - also die Dealer - heranzukommen."
Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 der PI Göttingen kompakt
- Weniger Straftaten in Stadt und Landkreis Göttingen registriert.
- Aufklärungsquote leicht gesunken. - Fallzahlenabfall bei den
Rohheitsdelikten (-5,83 %). - Messerangriffe um 25 % gestiegen (2024:
101, 2025: 127). - 24% weniger Angriffe auf Polizeibeamte und
Rettungskräfte (2024: 293, 2025: 223). - Weniger Fälle Häuslicher
Gewalt (-5 %). - Anstieg bei Kinderpornographie (+8 %). -
Fahrraddiebstähle um 35% reduziert. 1.000 Fälle weniger. - Erneut
weniger Betäubungsmittelkriminalität. - Anstieg bei
Wohnungseinbruchsdiebstahl um 31 %. - Weniger Straftaten durch junge
Menschen (-9 %).
Die Kriminalitätsphänomene im Einzelnen:
Rohheitsdelikte
Zu den Rohheitsdelikten zählen u.a. der Raub, die Körperverletzung und Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Hier ist seit der Corona-Pandemie im Jahr 2020 (3.189) ein stetiger Fallzahlenanstieg festzustellen. Im Jahr 2024 sind in der PI Göttingen insgesamt 4.339 Rohheitsdelikte ermittelt worden. 2025 lässt sich hier erstmalig ein Rückgang um 253 Taten verzeichnen (4.086).
Zu den Rohheitsdelikten gehören auch die Gewaltdelikte, die mit 871 Taten im Jahr 2025 (2024: 825) ebenfalls zunahmen.
Die Entstehung von Gewalt ist durch diverse Faktoren begründbar. Kriminologischen Erkenntnissen nach, spielen Abgrenzungsdynamiken durch Perspektivlosigkeit, Desintegration, Verunsicherung und soziale Ungerechtigkeit eine zentrale Rolle. Diese treten durch gesellschaftliche Herausforderungen, wie die Inflation, den Krieg in der Ukraine oder Israel, die Klimakrise oder politische Divergenzen verstärkt zu Tage.
Das Phänomen der Messerangriffe wird seit 2020 gesondert erhoben. Seitdem pendeln sich die Fallzahlen bei etwa 100 Taten (2024: 101; 2023: 97) pro Jahr ein. In 2025 ist erstmals ein enormer Anstieg um 26 Taten zu verzeichnen. Es konnte registriert werden, dass das Messer als Tatmittel vornehmlich im Stadtgebiet Göttingen einen verstärkten Gebrauch aufweist. Zu Beginn des Jahres 2026 wurde in der Innenstadt eine Waffenverbotszone eingerichtet. Polizeilicherseits stellt dies in Verbindung mit stetigen Kontrollmaßnahmen eine geeignete Präventionsmaßnahme dar, um das Fallaufkommen zu senken.
Dazu Tanja Wulff-Bruhn, Präsidentin der Polizeidirektion Göttingen:
"608 Menschen sind im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Göttingen bei 446 Taten durch einen Messerangriff teils schwer verletzt worden - das ist die höchste Zahl seit Beginn der Auswertung dieses Phänomens im Jahr 2020. Das zeigt, dass die Einrichtung von Waffenverbotszonen, wie es in unserem Zuständigkeitsbereich in Göttingen bereits der Fall ist, auch perspektivisch richtig, nötig und wichtig ist. Jede Waffe, die wir aus dem Verkehr ziehen können, macht den öffentlichen Raum sicherer."
Gewalt gegen Polizeibeamte und Rettungskräfte
In 2025 (514 (-25 %)) sind Einsatzkräfte seltener Opfer von Gewalt geworden als noch im Vorjahr (2024: 687). Insgesamt 480 Polizeibeamtinnen und -beamte (2024: 648) sowie 34 Rettungskräfte (2024: 39) wurden im vergangenen Jahr hierbei verletzt.
Tötungsdelikte
In der PI Göttingen wurden in 2025 insgesamt dreizehn Tötungsdelikte, darunter 9 Versuche bearbeitet.
In fünf Fällen richtete die Polizeiinspektion Göttingen zur Bearbeitung der komplexen Tatgeschehen Mordkommissionen ein.
In chronologischer Reihenfolge waren dies:
Moko "Sittich" : Tötungsdelikt in einem Einfamilienhaus in Dramfeld am 24. Januar 2025 zum Nachteil eines 81 Jahre alten Hausbewohners (wir berichteten, siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5956808 und https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5964127 ) . Die seinerzeit tatverdächtige Untermieterin des Mannes wurde in Spanien festgenommen und nach Deutschland überführt. Der Prozess gegen die 22-Jährige vor dem Landgericht Göttingen ist bereits abgeschlossen. Sie wurde unbefristet im Maßregelvollzug untergebracht.
Moko "Laub": Tötungsdelikt im Reinhäuser Wald, Gemeinde Gleichen, zum Nachteil einer jungen Frau am 30. Juni 2025 (wir berichteten, siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/6066299,
https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/6070207 ). Der Prozess gegen die von der Polizei ermittelte mutmaßliche Täterin vor dem Landgericht Göttingen dauert an.
Moko "Grenzfall": Tötungsdelikt am 12. August 2025, am Bahnhof Friedland zum Nachteil der Jugendlichen Liana K. (siehe auch Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Göttingen vom 29. August 2025). Gegen den mutmaßlichen 31 Jahre alten Täter läuft derzeit das Sicherungsverfahren am Landgericht Göttingen.
Moko "Burg": Versuchtes Tötungsdelikt am 15.08.2025 in der Göttinger Innenstadt zum Nachteil eines 25-jährigen Opfers (wir berichteten, siehe auchhttps://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/6097829, https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/6099840, https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/6116722). Der Täter konnte bislang nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Das Verfahren liegt zurzeit bei der Staatsanwaltschaft Göttingen.
Moko "Fitness": Verfahren wegen Totschlags am 7. September 2026 in Göttingen, Im Großen Feld. Der spätere Beschuldigte gab an, seinen Bekannten tot in der Wohnung gefunden zu haben. Im Zuge der Ermittlungen erhärtete sich der Verdacht auf ein Gewaltverbrechen. Der Prozess gegen den Hinweisgeber und zugleich mutmaßlichen Täter vor dem Landgericht Göttingen hat diese Tage begonnen.
Stellvertretend für weitere Ermittlungsverfahren im Kontext Tötungsdelikte sei an dieser Stelle der nachfolgende Fall besonders erwähnt:
Während einer Verkehrskontrolle am 27. Februar 2025 wurde in Bovenden eine Polizeibeamtin von einem losfahrenden PKW erfasst und verletzt (wir berichteten, siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5980614, https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5980728,
https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5981355). Der unbekannte Fahrer des Wagens konnte von der Polizei ermittelt und im Nachgang festgenommen werden. Er wurde bereits rechtskräftig verurteilt.
Die weiteren Taten ereigneten sich im Stadtgebiet Göttingen (incl. Ortsteile/5), in Bad Lauterberg (1) und in Osterode (1).
In allen Fällen konnten Tatverdächtige ermittelt werden. Die entsprechenden Verfahren wurden an die Staatsanwaltschaften in Göttingen oder Braunschweig abgegeben.
Häusliche Gewalt
Die Bearbeitung von Delikten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt erfolgt in Göttingen originär im 1. Fachkommissariat des Zentralen Kriminaldienstes durch speziell geschulte Ermittlerinnen und Ermittler.
Auch hier lässt sich im Bereich der PI Göttingen von 2024 (1.378) zu 2025 (1.315) eine Fallzahlensenkung um fast 5 % feststellen.
Häusliche Gewalt findet täglich in Partnerschaften bzw. im häuslichen Bereich in allen gesellschaftlichen Schichten statt. Sie kann unterschiedliche Formen haben und wird z.B. als Hausfriedensbruch, Nachstellung, Bedrohung, Körperverletzung, Diebstahl oder als Sexualdelikt bei der Polizei angezeigt.
Ein Grund für das weiterhin hohe Fallzahlenaufkommen ist das veränderte Anzeigeverhalten von Opfer und Zeugen, durch vermehrte Aufklärung. Dies führt zu einer Erhellung des Dunkelfeldes. Zum anderen beinhaltet der Begriff nach neuer Definition nicht nur die Partnergewalt, sondern auch Gewalt innerhalb der Familie. Frauen sind dabei weitaus häufiger als Opfer betroffen, als Männer.
In zahlreichen Fällen wurden 24-stündige Platzverweise für die Wohnanschrift des Opfers oder bis zu 10-tägige Wegweisungen von der eigenen Wohnung gegen die Beschuldigten ausgesprochen. Das sind Maßnahmen, die den Opferschutz stärken und dem Opfer Gelegenheit bieten, die persönliche Situation zu reflektieren und dem Leben ggfs. eine neue Richtung zu geben. Häufig werden die 10 Tage der Wegweisung genutzt, bei Gericht eine Gewaltschutzanordnung zu erwirken, die in der Regel dem/der Antragsgegner/-in untersagt, sich dem/der Antragsteller/-in und seiner/ihrer Wohnung auf eine Entfernung von weniger als 50 Meter zu nähern oder sonstigen Kontakt zu ihm/ihr aufzunehmen.
Wenn Kinder derartige Gewalt beobachten oder selbst erleben, wird stets das zuständige Jugendamt darüber in Kenntnis gesetzt bzw. das Jugendamt um sofortige Entscheidung über den Verbleib des Kindes gebeten.
Im Jahr 2024 wurden drei Hochrisikofälle bekannt, zu denen insgesamt vier Fallkonferenzen durchgeführt worden sind. Im Jahr 2025 verzeichnete die PI Göttingen in ihrem Bereich keinen einzigen Hochrisikofall.
Die bestehenden Kooperationsstrukturen bei Hochrisikofällen haben sich bewährt, so dass zeitnah schnelle Absprachen Netzwerkpartnern der Staatsanwaltschaft Göttingen, dem Jugendamt, der Beratungs- und Interventionsstelle etc. gewährleistet und zu treffende Maßnahmen zeitnah umgesetzt werden konnten.
"Häusliche Gewalt war und ist keine Familienangelegenheit, sondern eine schwere Straftat. Auch wenn die Fallzahlen im vergangenen Jahr leicht gesunken sind, wird dies unser hartnäckiges Bestreben, solche Taten weiter konsequent zu verfolgen, nicht beeinflussen. Neben der eigentlichen Strafverfolgung bildet für uns die Abwehr von Gefahren und der Schutz der Opfer einen ganz wichtigen Schwerpunkt unserer täglichen Arbeit und vorrangiges Ziel unseres polizeilichen Einschreitens. Eine große Bedeutung kommt dabei auch der Opferbetreuung zu rechtlichen Möglichkeiten nach dem Gewaltschutzgesetz zu," so ZKD-Leiter Oliver Tschirner.
Kinderpornographie
Mit der Bearbeitung von Fällen der Kinderpornographie sind in der PI Göttingen 14 Mitarbeitende im Bereich der Ermittlungen und der Forensik betraut. Dieser hohe personelle Ansatz in Verbindung mit dem Einsatz einer Software, basierend auf Künstlicher Intelligenz, dient der Abarbeitung der Fallzahlen (2024: 222; 2025: 240) in diesem Phänomenbereich.
Zu den Aufgaben der ermittelnden Personen zählt neben Durchsuchungen und Vernehmungen, vor allem die Auswertung von sichergestellten oder beschlagnahmten Datenträgern. Diese Tätigkeit stellt für Ermittlungsbehörden eine große Herausforderung dar. Die Massen an Daten und insbesondere die inkriminierten zu sichtenden Inhalte fordern den eingesetzten Kräften eine hohe Professionalität und Belastbarkeit ab.
Fahrraddiebstahl
Für die PI Göttingen ließ sich seit Jahren eine Steigerung im Bereich des Fahrraddiebstahles feststellen. Im Stadtgebiet von Göttingen ist es im Jahr 2024 zu 2.803 (2023: 2.599) Fahrraddiebstählen inkl. unbefugter Ingebrauchnahme von Fahrzeugen gekommen. Die Schadenssumme hierbei betrug 4.753.246 EUR.
2025 ist es den Einsatzkräften gelungen, diese Fallzahlen um 35 % und somit rund 1.000 Taten auf 1.817 Fälle zu senken. Die Schadenssumme beläuft sich nunmehr auf 3.177.148 EUR.
Zur Bekämpfung des andauernden Kriminalitätsphänomens hatte der Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, Leitender Polizeidirektor Marco Hansmann, im Juni u. a. eine Forcierung der polizeilichen Kontrollmaßnahmen und Erweiterung des taktischen Konzeptes angekündigt (siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/6056214).
Dazu Polizeioberrätin Berkhan:
"Die deutliche Reduzierung der Fallzahlen im Bereich der Fahrraddiebstähle ist das Ergebnis einer konsequenten und langfristig angelegten Bekämpfungsstrategie. Maßgeblich dazu beigetragen haben die hohe polizeiliche Präsenz, die intensive Kontrolltätigkeit sowie das niederschwellige und zugleich konsequente Einschreiten, wodurch der Kontrolldruck auf die überwiegend organisiert agierenden Tätergruppierungen spürbar erhöht wurde" und weiter: "Die Anzahl der Fahrraddiebstähle befindet sich aktuell auf dem niedrigsten Stand seit 2016. Diese positive Entwicklung ist auch das Ergebnis von engmaschigen Kontrollen - auch im Umfeld kriminalitätsbelasteter Orte -, der konsequenten Beantragung und Umsetzung von Untersuchungshaftbefehlen sowie einer fortlaufenden Auswertung von Videoaufzeichnungen, DNA-Spuren und technischen Ortungsmöglichkeiten (u. a. durch GPS-Tracker/AirTags)."
Wiederholte Festnahmen von Mehrfachtätern trugen außerdem zu einer nachhaltigen Störung bestehender Täterstrukturen bei.
Die konsequente Sicherstellung von Diebesgut - insbesondere bei Fahrzeugkontrollen und Durchsuchungsmaßnahmen - hat die Logistik der Täter erheblich erschwert. Festzustellen ist außerdem, dass entwendete Fahrräder zunehmend außerhalb bekannter kriminalitätsbelasteter Orte zwischengelagert oder nur noch kurzfristig deponiert werden. Dies ist als direkte Reaktion auf den erhöhten Ermittlungsdruck zu werten.
Beispielhafter Ermittlungserfolg:
Im Sommer 2025 wurde nach einem Zeugenhinweis ein rumänischer Kleintransporter im Stadtgebiet kontrolliert. In dem Fahrzeug wurden insgesamt 14 hochwertige, teilzerlegte E-Bikes festgestellt, die zum Abtransport in Bettlaken eingewickelt waren (siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/6062303). Die Ermittlungen ergaben, dass die Fahrräder zuvor im Stadtgebiet entwendet und mutmaßlich für den Weitertransport ins Ausland bestimmt waren. Der 35-jährige rumänische Staatsbürger wurde vorläufig festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. Dieser erließ Untersuchungshaftbefehl.
In engem zeitlichen Zusammenhang dazu konnten weitere Tatverdächtige bei E-Bike-Diebstählen auf frischer Tat gestellt werden. Durch Videoauswertung, DNA-Treffer sowie die Ortung entwendeter Fahrräder konnten in mehreren Fällen zusätzliche Taten nachgewiesen werden. Die Beschuldigten, die überwiegend als Mehrfachtäter im Bereich der Eigentumsdelikte bekannt sind, wurden dem Haftrichter vorgeführt. In mehreren Fällen wurden Untersuchungshaftbefehle erlassen.
Die wiederholten Festnahmen, die Sicherstellung großer Mengen hochwertigen Diebesguts und die empfindliche Störung der logistischen Abläufe innerhalb der Tätergruppierungen zeigen deutlich Wirkung und tragen maßgeblich zur nachhaltigen Senkung der Fallzahlen im Bereich der Fahrraddiebstähle bei.
Betäubungsmittelkriminalität
Politische Entscheidungen führten zu einer, in Teilbereichen, erheblichen Liberalisierung des Betäubungsmittelrechtes, insbesondere im Bereich der Cannabisprodukte. Mit der Einführung des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) im Jahr 2024 und der damit einhergehenden Straffreiheit bestimmter Delikte, die zuvor noch dem Betäubungsmittelgesetz unterlagen, ist hier systemimmanent ein erheblicher Rückgang von Straftaten erwartbar gewesen und auch eingetreten.
In diesem Kontext ist der Rückgang der Gesamttaten im Drogenbereich auch zu betrachten. Wurden in 2024 noch 1.046 Rauschgiftdelikte bearbeitet, sank diese Zahl auf 587 im Jahr 2025. Der größte Rückgang ist hier im Bereich der nicht mehr strafbewährten Verstöße im Zusammenhang mit Cannabisprodukten feststellbar.
Wohnungseinbruchdiebstahl
Im Jahr 2025 ist im Deliktsbereich des Wohnungseinbruchdiebstahls ein Anstieg der registrierten Fallzahlen von 251 im Jahr 2024 auf 329 Taten im Jahr 2025 festzustellen. In der Gesamtbetrachtung liegt das Fallaufkommen damit weiterhin unter dem Mittelwert der vergangenen zehn Jahre in Höhe von 338 Fällen. Die Aufklärungsquote ist von 15,54 % auf 17,93 % gestiegen.
Die derzeitigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen wie die Inflation können zu individuellen finanziellen Belastungssituationen führen, die als tatmotivierende Faktoren im Bereich der Eigentumskriminalität nicht auszuschließen sind. Insbesondere in sozialstrukturell belasteten Mehrfamilienhäusern ergaben die Ermittlungen Hinweise darauf, dass Tatverdächtige oft aus dem jeweiligen Haus- oder Nahbereich stammten. Aufgrund der hohen Anonymität bei gleichzeitiger räumlicher Nähe der Bewohner gestaltete sich die Aufklärung in diesen Fällen oft besonders schwierig.
Im Hinblick auf kriminalstatistische Entwicklungen ist zu berücksichtigen, dass polizeiliche Schwerpunktmaßnahmen sowie präventive Öffentlichkeitsarbeit zu einer erhöhten Sensibilisierung der Bevölkerung geführt haben.
Im Rahmen der geführten Ermittlungsverfahren wurde zudem deutlich, dass ein wesentlicher Anteil der Taten durch organisierte, überregional agierende Tätergruppierungen mit hoher Mobilität begangen wurden.
Im Rahmen umfangreicher kriminalpolizeilicher Ermittlungen konnte jüngst eine europaweit agierende Tätergruppierung identifiziert werden, die mutmaßlich für einen Großteil der in der dunklen Jahreszeit begangenen Einbruchsdiebstähle in Einfamilienhäuser in der Region verantwortlich waren.
Straftaten durch junge Menschen (Jugenddelinquenz)
Die Gesamtzahl der bekannt gewordenen Straftaten durch Kinder (0- unter 14 Jahre), Jugendliche (14- unter 18 Jahre) und Heranwachsende (18- unter 21 Jahre) ist im Vergleich zum Vorjahr um 9,14 % auf 2.027 Taten gesunken.
Jugenddelinquenz bleibt nach wie vor ein männliches Phänomen. Weibliche Tatverdächtige hatten im Jahr 2025 hier nur einen Anteil von 25,52 % am Gesamtaufkommen.
Jugenddelinquenz hebt sich durch gruppendynamische Prozesse hervor, wonach 23,38 % nicht allein handelnd polizeilich in Erscheinung getreten sind. Bei den unter 14-Jährigen handelt sogar über die Hälfte der tatverdächtigen Kinder nicht allein.
Rohheitsdelikte waren insgesamt mit 570 Taten die häufigsten Delikte, welche junge Tatverdächtige auch im Jahr 2025 begangen haben. Unter den Begriff der Rohheitsdelikte fallen bspw. Straftatbestände wie Körperverletzung, Raub oder räuberische Erpressung, Bedrohung und Nötigung.
Bezogen auf das letzte Jahr ist im Bereich der einfachen Körperverletzungen ein leichter Rückgang um 7,99 %, bzw. ein gleichbleibendes Niveau mit Blick auf die gefährliche - und schwere Körperverletzung festzustellen. Angestiegen sind hingegen die Fallzahlen bezüglich verbaler Gewalt.
Ein möglicher Erklärungsansatz für das konstant hohe Niveau könnten die psychologischen Belastungen, wie auch die Entwicklung des Sozialverhaltens sein, welche Kinder und Jugendliche in der Folge bei Konflikten eher eskalieren lassen. Gruppenzwänge, das Erkunden und Austesten von Grenzen, Leistungsdruck, gewaltverherrlichende Videos im digitalen Raum oder auch Schwierigkeiten im sozialen Umfeld sind Faktoren die dazu führen, dass Kinder und Jugendliche, gerade unter Gleichaltrigen, eher gewalttätig werden.
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
Der Deliktsbereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung impliziert unter anderem die Tatbestände der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung, die sexuelle Belästigung und auch den sexuellen Missbrauch. Im Bereich der Sexualdelikte ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von 20,41 % festzustellen.
Ein Erklärungsansatz hierzu liegt in den stetigen Bemühungen zur Erhellung des Dunkelfeldes. Eine intensivierte Ausweitung der Netzwerkarbeit durch regelmäßigen Austausch, beispielsweise in den Arbeitskreisen Jugend und Häusliche Gewalt, sowie eine verstärkte Sensibilisierung der Öffentlichkeit für diese Thematik, tragen aus polizeilicher Perspektive zu einem veränderten Anzeigeverhalten bei. Ein Großteil der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ereignet sich nach wie vor im familiären und sozialen Umfeld. Ein Umdenken ist nicht nur bei Polizei und Justiz, sondern auch in breiten Teilen der Bevölkerung dahingehend angekommen, dass Häusliche Gewalt keine Privatsache ist.
Besitz und Erwerb Kinder- und Jugendpornografie
Die Straftaten im Zusammenhang mit dem Erwerb und der Verbreitung pornografischer Inhalte von Kinder- und Jugendpornografie sind im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls gestiegen - um 29,76%. In diesem Kontext kann im Bereich der Jugenddelinquenz von einem eher wachsenden Deliktsfeld ausgegangen werden. Gruppenchats über WhatsApp, Snapchat oder vergleichbare Portale sind beliebte Kommunikationsmittel bei Kindern und Jugendlichen, wobei nicht nur alltägliche Dinge ausgetauscht werden, sondern auch schnell unzulässige Inhalte mit vielen Freunden unbedacht geteilt werden können. Dabei ist vielen nicht bewusst, dass es sich dabei um Straftaten handelt. Zudem wird intimes Bildmaterial, welches im Rahmen einer Beziehung einvernehmlich dem jeweiligen Partner zugesandt wurde, nach Beziehungsende nicht selten an andere versendet. Eine solche Vorgehensweise ist bei jungen Menschen immer wieder beobachtbar und teils bedingt durch emotionale Rückschläge in ersten Liebesbeziehungen.
Dieser Anstieg ist laut Kriminaldirektor Tschirner nicht hinnehmbar. "Wir begegnen diesem Aufkommen mit abgestimmten Präventionsmaßnahmen. Hier sei einerseits die Puppenbühne der Polizeidirektion Göttingen genannt, aber in erster Linie das Präventionsteam und das Fachkommissariat für Jugendkriminalität der Polizeiinspektion Göttingen, die insbesondere den Schulen, aber auch anderen Kinder- und Jugendeinrichtungen, sowie Privatpersonen als Ansprechpartner für Aufklärungsarbeit zur Seite stehen."
Sachbeschädigung
Im Bereich der Sachbeschädigung ist ein Anstieg von 15,5 % im Vergleich zum Vorjahr zu dokumentieren. Darunter fallen Vandalismus oder auch blinde Zerstörungswut. Sachbeschädigungen werden oft aus der Gruppe heraus ausgeübt. Dabei entstehen dynamische, unkontrollierte kollektive Verhaltensweisen, die durch Alkoholeinfluss oft noch verstärkt werden. Als Motiv wurden Langeweile und das Erlangen von Aufmerksamkeit bekannt. Hierzu zählen auch sogenannte Mutproben die begangen werden, um sich als geleichwertiges Mitglied in einer Gruppe zu behaupten.
Schlussstatement Inspektionsleiter Marco Hansmann:
"Es ist sehr positiv zu bewerten, dass das Fallzahlenaufkommen grundsätzlich gesunken ist. Dennoch sind weiterhin hohe Fallzahlen u.a. im Bereich der Rohheitsdelikte, der Häuslichen Gewalt, der Messerangriffe und des Wohnungseinbruch- und Fahrraddiebstahls nicht hinnehmbar. Mein Dank gilt an dieser Stelle allen Mitarbeitenden der Polizeiinspektion Göttingen, die ihre akribische Arbeit in 2026 feststellbar motiviert weiter fortsetzen, um kriminelles Vorgehen zu verhindern und Straftaten und Ordnungswidrigkeiten professionell zu bearbeiten."
Hinweis für Medien: Ausgewählte Grafiken befinden sich als PDF im Anhang.
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